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Es ist schon erstaunlich:
Die Zahl der Hummelfreunde und -spezialisten in Deutschland ist groß. In Foren im Internet diskutieren zahlreiche Freunde aktiv über Arten, Schutz, Ansiedlung, Blütenbesuche oder Feinde, aber kaum jemand nimmt wahr, dass Deutschlands Fauna seit Jahren um eine Hummelart reicher ist:
Bombus semenoviellus, die Semenov-Hummel. Besonders verwundert, dass selbst viele Spezialisten diese Art ignorieren oder sie in neuerer Literatur oft nicht erwähnt wird.
Mit diesem Aufruf an alle soll ein Schritt zur weiteren Verbreitung des Wissens über die Art gemacht werden und Daten über ihr Vorkommen, ihre
Ausbreitung sowie ihre Lebensansprüche gesammelt und an dieser Stelle veröffentlicht werden.
Beschreibung der Art/Unterscheidung von ähnlichen Arten: Weibchen: Die Art ähnelt auf den ersten Blick der Heide-Hummel Bombus jonellus sowohl in Größe als auch in Färbung. So hat der Brustabschnitt - im Unterschied zu den Erdhummel-Arten - vorne und hinten ein helles Band. Auch die Gartenhummel zeigt diese Färbung, ist meist aber größer.
Von der Gartenhummel läßt sich die Semenov-Hummel deutlich durch die Gesichtslänge trennen, die bei der Gartenhummel bekanntlich sehr lang ist. Von der Heidehummel läßt sich die Semenov-Hummel möglicherweise recht gut
durch die helle Gesichtsbehaarung (bei Heidehummeln schwarz) trennen. Eindeutigere Merkmale gibt es zwar, diese erfordern jedoch eine Betrachtung unter dem Mikroskop. Männchen: Im männlichen Geschlecht gleicht die
Semenov-Hummel stark der Heidehummel. Eine eindeutige Unterscheidung ist derzeit nur durch Genitalpräparation möglich.
Herkunft und Verbreitung: Bombus semenoviellus ist als mongolisches Faunenelement einzustufen. Innerhalb der letzten Jahrzehnte hat die Art ihr Areal enorm nach Westen ausgeweitet und ist inzwischen auch bis Deutschland gekommen. Der erste publizierte Fund der Art stammt aus Lübeck aus dem Jahr 1998 (J. v. d. Smissen & P. Rasmont [2000]: Bombus semenoviellus Skorikov 1910, eine für Westeuropa neue Hummelart [Hymenoptera: Bombus, Cullumanobombus]. - bembix 13: 21-24). In der Entomofauna Germanica (Dathe et al., 2001) wird die Art bereits für Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg genannt. Da aber kaum jemand von der Art weiß und nicht gezielt nach ihr gesucht wird, dürfte die tatsächliche Verbreitung der Art viel weiter reichen.
In Mecklenburg-Vorpommern konnte ich die Art inzwischen an 5 verschiedenen Standorten nachweisen. Ihre enorme Ausbreitungsgeschwindigkeit läßt vermuten, daß sie Deutschland schnell durchquert haben könnte.
Bitte um Mithilfe: Um möglichst schnell Informationen über Verbreitung, Ausbreitung und Biologie der Art zu erhalten, ist die Mithilfe
vieler Naturbeobachter nötig. Ich möchte daher alle Hummelfreunde bitte, mit offenen Augen durch die Natur zu gehen und gezielt nach der Semenov-Hummel zu suchen. Angaben zu folgenden Fragen wären dringend nötig:
- wo kommt die Art vor? - seit wann kommt sie hier vor? - welche Blüten besucht die Art? - wo und wie nistet die Art? - leben bei der Art Schmarotzerhummeln?
Wer die Art meint gesehen zu haben, möge bitte
Fotos machen und sie mir mailen oder schicken. Auch Belegexemplare können gesendet werden. Sollte jemand ein Nest dieser Art entdecken, wäre dies ein besonderer Glücksfall und eine gute Möglichkeit, am lebenden Nest viele
Informationen über ihr Leben zu studieren.
Alle Mitteilungen, Bilder etc. werden an dieser Stelle der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bitte helft mit, das Leben dieser Hummelart zu
erforschen!
Allen Mithelfern, ob erfolgreich oder nicht, schon einmal herzlichen Dank
Johann-Christoph Kornmilch.
und hier die Antworten
Eigene Sichtungen 2003:
30. April 2003 2 Königinnen B. semenoviellus, aus Farbschalen an Ackerunterschungen, Kühlenhagen b. Greifswald, Meckl.-Vorp.
29. Mai 2003: 1 Arbeiterin B. semenoviellus, an Himbeere, Peenewiesen b. Gützkow, Meckl.-Vorp.
20. August 2003 1 Männchen B. semenoviellus, aus Farbschalen an Ackerunterschungen, Kühlenhagen b.
Greifswald, Meckl.-Vorp.
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